PG Don Bosco

Auf dieser Seite und unter www.katholisch-nes.de finden Sie immer wieder Impulse, liturgische Texte, Hausgottesdienste (auch für Familien) und Videos (Psalmen). Weitere Informationen zur aktuellen Situation in der Seelsorge gibt es hier.

Geburtstage feiern wir alle gern, oder? Wir denken im Laufe der Zeit an immer mehr Lebensjahre zurück, feiern „runde“ und „Schnappszahlen“ und singen „wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst!“ Stirbt dann irgendwann ein lieber Mensch, zünden wir vielleicht an seinem Geburtstag noch ein Kerzchen an, oder stellen Blumen aufs Grab. Dann sagen wir seufzend: „Heute wäre er oder sie soundsoviel Jahre alt geworden!“ Und voller Wehmut denken wir zurück an alte Zeiten und sind traurig, weil sie vorbei sind.

Ist Weihnachten auch so ein Geburtstag: Erinnerung an vergangene Zeiten an ein Ereignis in der Tiefe der Geschichte, das wir mit vielen Legenden und Bräuchen fast schon bis zur Unkenntlichkeit verfremdet haben? Feiern wir da auch ein „Geburtstagskind“, wie wir halt unsere Geburtstagskinder alle Jahre wieder feiern? Ja, feiern wir am Ende sogar ein im Grunde schon lange verstorbenes Geburtstagskind? Sind die Lichter in den Straßen und an Bäumen und Kränzen etwa nur aufgehübschte Grablichter, weil das kleine Jesulein halt schon lange nicht mehr unter uns weilt? Bei der geringen Bedeutung, die Jesus für viele Menschen während des ganzen Jahres über besitzt, könnt man das manchmal fast glauben. Einmal im Jahr Erinnerung, Tränen der Rührung, Lichter und Grünzeug - und dann geht´s weiter wie gehabt? Das kann es eigentlich nicht sein, oder?!

Das wunderbare Gedicht des Gelehrten, Angelus Silesius, aus dem 17. Jahrhundert kann uns heute noch ein wirkliches Weihnachtslicht aufgehen und uns begreifen lassen, worum es geht. Er schreibt:

Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren
und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.

Gott schleußt sich unerhört in Kindes Kleinheit ein:
Ach möchte ich doch ein Kind in diesem Kinde sein.

Ach könnte nur dein Herz zu einer Krippe werden,
Gott würde noch einmal ein Kind auf dieser Erden.

Merk, in der stillen Nacht wird Gott, ein Kind, geboren,
und wiederum ersetzt, was Adam hat verloren.

Ist deine Seele still und dem Geschöpfe Nacht,
so wird Gott in dir Mensch und alles wiederbracht.

Hier liegt das werte Kind, der Jungfrau erste Blum,
der Engel Freud und Lust, der Menschen Preis und Ruhm.

Soll er dein Heiland sein und dich zu Gott erheben,
so musst du nicht sehr weit von seiner Krippe leben.

Der Himmel senkte sich, er kommt und wird zur Erden;
wann steigt die Erd empor und wird zum Himmel werden?

(Angelus Silesius)

Besonders in Zeiten der Not - und wer wollte behaupten, dass wir nicht gerade weltweit darin stecken - sind wir als Christen aufgerufen „...nicht weit von seiner Krippe zu leben“. Wir sind aufgerufen, die Liebe zum Menschen in uns Mensch werden zu lassen, damit wir gemeinsam die Not besiegen, keinen zurücklassen, keinem alleine die Schuld geben, sondern zusammen die Ärmel aufrollen, um des Nächsten Willen. In den sozialen Medien und auf der Straße wird der Ton immer rauer und aggressiver. Unsere Gesellschaft verliert viel an Zusammenhalt, weil der „Kitt“, die Liebe zu und die Achtung vor anderen Menschen, hart und bröselig wird.

Werden wir nach dem 25. Dezember eine Wende erleben? Ich meine nicht eine Wende in der Coronalage oder beim Weltklima oder ähnliches. Ich meine eine Wende im Umgangsstil, in der Art, wie wir uns gegenseitig wieder schätzen, achten und respektieren. Wenn das spürbar würde, dann wäre es Weihnachten geworden. Wenn nicht, haben wir mit all unseren Weihnachtslichtern doch nur eine Grabbeleuchtung geschaffen.

Ich wünsche uns allen einfach nur „Weihnachten“, denn wenn ER wirklich in uns geboren wird, ist die Freude schon automatisch da!

Christian Klug
Pastoralreferent

 

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