PG Don Bosco

+++ Die aktuellen kirchlichen Nachrichten ab Juni 2020 finden sie HIER zum download. +++

Auf dieser Seite und unter www.katholisch-nes.de finden Sie immer wieder Impulse, liturgische Texte, Hausgottesdienste (auch für Familien) und Videos (Psalmen). Weitere Informationen zur aktuellen Situation in der Seelsorge gibt es hier.

Siehe, ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich gebe meinen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Ich habe gesprochen und ich führe es aus – Spruch des HERRN.

Diese Worte des Propheten Ezechiel haben mich gerade in der heutigen Situation ganz besonders angesprochen. Denn durch sie verspricht Gott, sein Volk aus seinen Gräbern herauszuholen.

Momentan wirken unsere Städte und Dörfer tatsächlich wie ausgestorben, wie tot. Die Corona-Krise hat Straßen und Plätze leergefegt. Und die „Gräber“, in denen sich aktuell viele Menschen befinden, haben ganz spezielle Namen wie z. B. „Einsamkeit“, hervorgerufen durch das Fehlen sozialer Kontakte. Dies betrifft vor allem die alten Menschen, die allein in ihrer Wohnung oder in Seniorenheimen leben, weil Besuche nicht erlaubt sind. Darunter leiden aber auch die Kinder und Jugendlichen, denen das Treffen mit ihren Freunden und Großeltern untersagt ist. Außerdem fallen für Menschen, die gemeinsam mit anderen Kraft in ihrem Glauben suchen, plötzlich alle Gottesdienste aus. Daneben haben sehr viele Berufstätige das Gefühl, in einem Loch zu sitzen, weil sie die „Unsicherheit“ quält, wie sie finanziell mit ihren Familien über die Runden kommen sollen. Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger in anderen Ländern müssen die „schwierige Entscheidung“ treffen, wem sie medizinische Hilfe gewähren. Viele Gräber – weltweit.

Doch Ezechiel zeigt auch den Weg, wie Gott sein Volk aus den Gräbern herausholen wird: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig.“ Gott macht uns damit das Versprechen seines Beistandes und die Zusage, dass wir uns nicht nur aus eigener Kraft aus den Problemen heraus schaufeln müssen, wenn wir uns öffnen für seinen Geist. Wir kennen alle aus dem Firmunterricht die sieben Gaben des Hl. Geistes, die uns Kraft und Vertrauen geben wollen zu einem sinnvollen, zielgerichteten Lebensweg: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Erkenntnis, der Geist der Stärke, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht.

Ich habe das Gefühl, der Geist Gottes wirkt mit allen seinen Gaben schon mitten unter uns. Wenn ich erfahre, dass unsere Politiker Entscheidungen für ihr Volk treffen, indem sie Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden; indem sie gemeinsam zum Wohle der Menschen in ihrem Land beraten, medizinisch wie wirtschaftlich. Ebenso sind wir selbst mit uns zu Rate gegangen. Dabei sind die allermeisten von uns zur Erkenntnis und Einsicht gelangt, wie wichtig es für unsere eigene, aber auch für die Gesundheit der anderen ist, sich an vorgegebene Regeln zu halten. Natürlich brauchen wir alle viel Kraft und Ausdauer, diesen Ausnahmezustand auszuhalten, denn wir wissen nicht, wie lange er noch andauern wird. Doch viele Menschen zeigen gerade in der jetzigen Situation besondere Solidarität untereinander, seien es die medizinischen Hilfskräfte, die bis an ihr Limit arbeiten, sei es das gemeinsame Gebet, das Aufstellen einer Kerze oder auch ganz praktische Helferdienste. Dazu beweisen vor allem unsere jungen Leute eine großartige Bereitschaft.

So dürfen wir bei allen Problemen, vor die wir uns gestellt sehen, erfahren, dass wir nicht allein sind. Und auch so altmodisch angehauchte Begriffe wie Frömmigkeit und Gottesfurcht sind höchst aktuell und meinen nichts anderes, als Gott als den liebenden Vater zu ehren und seine Größe zu erahnen, die uns wieder lebendig machen wird. Vertrauen wir darauf.

Pfr. Andreas Krefft

­